Die kurze Geschichte des Messestädte-Pokals

13 Mal, über eine Zeitspanne von 16 Jahren, wurde der Messestädte-Pokal ausgetragen, letztmals 1971. Die Idee dahinter war keine sportliche, der Wettbewerb – der oftmals fälschlicherweise als „Vorläufer“ des UEFA-Pokal betitelt wird – diente vielmehr der Bewerbung internationaler Handelsmessen. Die Coupe des villes des foires, so die offizielle Bezeichnung, entstand 1955 in Basel auf Betreiben von Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees und stand nicht unter der Leitung der UEFA, so dass Mannschaften auch parallel am Europapokal der Landesmeister bzw. der Pokalsieger teilnehmen konnten. Ins Rennen gingen sowohl Städte-Auswahlteams als auch Klubs als Vertreter von Handelsstätten, sie alle spielten um die Trophée Noel-Beard.

1955-58

Die erste Ausgabe erstreckte sich über fast drei Jahre. Zwölf Teams aus neun Ländern wurden in vier Gruppen aufgeteilt, deren Sieger jeweils das Halbfinale in Hin- und Rückspiel austrugen. Zwei Teilnehmer, die Stadt-Auswahlen Wien und Köln, zogen sich noch vor ihrem ersten Auftritt zurück. Die erste Partie wurde am 4. Juni 1955 in Basel angepfiffen, wo „Basel XI“ der „London XI“ 0:5 unterlag. Den ersten Treffer dieses Wettbewerbs markierte Eddie Firmani, der bei Charlton Athletic unter Vertrag stand, in der 33. Minute. Für die „London XI“, die das Finale erreichte, kamen in Summe 54 Spieler aus zwölf verschiedenen Londoner Vereinen zum Einsatz. Das Endspiel war eine klare Angelegenheit: Nach einem 2:2 im Hinspiel an der Stamford Bridge geriet die „London XI“ beim CF Barcelona mit 0:6 unter die Räder. Die Katalanen hätten eigentlich ebenfalls als Stadt-Auswahl starten sollen und spielten daher nicht etwa in ihren eigentlichen Klub-Farben, sondern mit blauen Trikots (auf denen das Stadtwappen und nicht das Klub-Logo prangte) und weißen Hosen – denn ursprünglich hätte sich das Teams auch aus Akteuren des RCD Espanyol zusammensetzen sollen. Der Lokalrivale weigerte sich jedoch, so dass faktisch der CF Barcelona den Wettbewerb gewann. Evaristo de Macedo wurde mit insgesamt vier Treffern Torschützenkönig, zum 6:0 steuerte er zwei Tore bei. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Es sollte nie wieder eine Stadt-Auswahl im Finale stehen.

1958-60

Die zweite Ausgabe dauerte „nur“ knapp zwei Jahre und startete sofort im K.o.-System (Achtelfinale). Der Südafrikaner Firmani war wieder mit dabei, diesmal allerdings für Inter Mailand, und wurde mit insgesamt fünf Toren zweitbester Schütze des Wettbewerbs. Inter gegen Olympique Lyon war das einzige Erstrundenduell, in dem zwei Klubs aufeinandertrafen, in den anderen Begegnungen standen sich jeweils eine Stadtauswahl und ein Klub gegenüber. Das Endspiel erreichten Birmingham City, das unter anderem die „Köln XI“ ausgeschaltet hatte, und Titelverteidiger CF Barcelona, der nach einem 0:0 in Birmingham wie schon im Finale zwei Jahre zuvor im Rückspiel zu Hause kurzen Prozess machte und mit seinen ungarischen Superstars László Kubala und Zoltán Czibor (zwei Tore) nichts anbrennen ließ: nach sieben Minuten führten die Katalanen vor 70.000 Zuschauern bereits 2:0, am Ende hieß es 4:1. Kurios: Barcelonas argentinischer Trainer Helenio Herrera, der im Hinspiel im März noch auf der Bank gesessen hatte, wurde wenige Tage vor dem Rückspiel (im Mai) entlassen und durch seinen Assistenten Enrique Rabasa ersetzt. Grund für Herreras Rauswurf war der Halbfinal-K.o. im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister gegen Real Madrid (1:3, 1:3).

1960/61

Erstmals wurde der Messestädte-Pokal während einer Saison durchgezogen, wobei das Final-Rückspiel erst im Oktober 1961 (und somit eigentlich in der Folge-Saison) ausgetragen wurde. Die Städte-Auswahlteams spielten erneut keine Rolle, auch wenn die aus dem 1.FC und der Viktoria zusammengesetzte „Köln XI“ ins Viertelfinale einzog – das Halbfinale war dann eine reine Klub-Angelegenheit. Der Vorjahresfinalist Birmingham City verhinderte mit seinen beiden 2:1-Erfolgen gegen Inter Mailand ein rein italienisches Finale, die AS Roma setzte sich im anderen Duell im Entscheidungsspiel 6:0 gegen den Hibernian FC aus Edinburgh durch. Die Schotten hatten im Viertelfinale Titelverteidiger Barça ausgeschaltet (4:4, 3:2).

Im St. Andrew’s Stadium sorgte der Argentinier Pedro Manfredini mit zwei Treffern für eine 2:0-Führung der Römer, Birmingham glich in der Schlussviertelstunde aus. Manfredini traf insgesamt zwölf Mal und somit so oft wie kein anderer Spieler in einer Ausgabe dieses Wettbewerbs. Im Rückspiel, das vor 60.000 im Olympiastadion angepfiffen wurde, ging er leer aus, aber Brian Farmers Eigentor und Paolo Pestrin sorgten für einen 2:0-Erfolg der Roma und dafür, dass die Noel-Beard-Trophäe erstmals nach Italien wanderte.

1961/62

Die Teilnehmerzahl wurde auf 28 aufgestockt, der Wettbewerb gewann an Beliebtheit. Für die Stadt-Auswahlteams war wieder zeitig Schluss, lediglich die aus Novi Sad schaffte es wenigstens in Viertelfinale, wo sie jedoch krachend an MTK Budapest scheiterte. In Ungarn war in der ersten Runde bereits Racing Strasbourg schwer unter die Räder gekommen (2:10), doch im Halbfinale hisste auch MTK die Segel. Hier war der Valencia CF zu stark für die Magyaren. Und so kam es zu einem rein spanischen Finale mit dem zweifachen Titelträger CF Barcelona, der am 8. September 1962 im Estadio Mestalla mit 6:2 entzaubert wurde. Sándor Kocsis hatte zwar die Blaugrana zwei Mal in Führung gebracht, doch Yosu und Vicente Guillot, der an jenem Abend einen Dreierpack schnürte, drehten den Spieß noch vor der Pause um, ehe die Katalanen im zweiten Abschnitt untergingen. Vier Tage später im Camp Nou trennten sich beide Klubs 1:1. Wieder trafen Kocsis und Guillot, Torschützenkönig wurde jedoch Valencias brasilianischer Angreifer Waldo Machado, der in beiden Endspielen leer ausgegangen war, mit neun Treffern.

1962/63

Die beiden Torschützenkönige der Vorjahre, Waldo Machado und Pedro Manfredini, kamen auf je sechs Treffer und teilten sich Platz eins zusammen mit Manfredinis Teamkollegen Francisco Lojacono (AS Roma). Keiner von ihnen traf in den direkten Duellen, als Valencia die Italiener mit 3:0 und 0:1 ausschaltete und wiederum ins Finale einzog, wo mit Dinamo Zagreb ein Neuling wartete. Die Jugoslawen hatten sich gegen Ferencváros Budapest durchgesetzt und auf ihrem Weg ins Endspiel auch den FC Bayern München besiegt. Nur noch fünf Städte-Teams gingen an den Start, lediglich zwei (Leipzig und Utrecht) erreichten die nächste Runde und schieden dann dort aus.

Im Tor der Valencianos stand in jener Saison Ricardo Zamora [de Grassa], Sohn des gleichnamigen Keepers Ricardo Zamora [Martínez], der als bester Keeper seiner Zeit und als einer der besten überhaupt galt. Das Final-Hinspiel in Zagreb wurde am 12. Juni 1963 angepfiffen, zur Pause bejubelten die 40.000 Fans eine 1:0-Führung der Hausherren durch Slaven Zambata. Im zweiten Abschnitt wendeten jedoch Waldo und José Antonio Urtiaga das Blatt und legten den Grundstein zur Titelverteidigung, die zwei Wochen später im Mestalla durch ein 2:0 vollzogen wurde. Von fünf Ausgaben des Messestädtepokals gingen also bislang vier nach Spanien – je zwei nach Barcelona und Valencia.

1963/64

Staevnet, oder Kopenhagen XI, war die einzige Stadtauswahl, die am Messepokal teilnahm – und die letzte überhaupt. Die Dänen, die sich aus bis zu elf Mannschaften rekrutierten, hatten keine ihrer bislang acht Begegnungen gewinnen können und unterlagen auch im Erstrunden-Hinspiel dem Arsenal FC mit 1:7, ehe sie im letzten Auftritt ihren ersten Erfolg eintüteten. Arne Dyremose, der bereits zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen hatte (30.), erzielte zwei Minuten vor dem Ende den 3:2-Siegtreffer. Von nun an waren die Stadtauswahlen Geschichte und der Messestädte-Pokal wandelte sich in einen reinen Klub-Wettbewerb.

Barcelona trat lediglich als Austragungsort des Endspiels in Erscheinung, das erstmals nicht in Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Mit Titelverteidiger FC Valencia und Debütant Real Saragossa standen sich zwei spanische Vertreter gegenüber. Valencia taumelte im Halbfinale eigentlich schon dem Aus entgegen. Nach dem 4:1-Sieg gegen den 1.FC Köln lag das Team von Trainer Edmundo Súarez im Müngersdorfer Stadion bereits zur Pause mit 0:2 hinten, Helmut Benthaus und Christian Müller hatten getroffen. Und als der Unparteiische in der 70. Minute auf Elfmeter für die „Geißböcke“ entschied, sah es düster aus – doch Zamora parierte den von Fritz Pott getretenen Strafstoß und rettete das 4:3-Gesamtergebnis über die Zeit.

Im weiten Rund des Camp Nou verloren sich am 24. Juni 1964 gerade mal 10.000 Menschen. Gründe für diesen spärlichen Zulauf gab es reichlich: Der 24. Juni (Geburt Johannes des Täufers) ist in Barcelona ein traditioneller Feiertag, den die Bewohner der Stadt gerne am Strand verbringen, nur drei Tage zuvor war Spanien Europameister geworden und schon vier Tage später stand das Pokal-Halbfinale zwischen dem CF Barcelona und Saragossa an. Valencias Waldo, der mit sechs Treffern erneut Torschützenkönig wurde, ging leer aus, Saragossa gewann durch ein Tor von Marcelino Martínez in der 63. Minute 2:1 (1:1).

1964/65

Ohne die Stadtauswahlen stieg das Renommee dieses Wettbewerbs, dessen Torschützenkönige in jener Saison die namhaften Manchester-United-Spieler Dennis Law und Bobby Charlton mit je acht Treffern wurden. Für die Red Devils war allerdings im Halbfinale Schluss, weil sie das Entscheidungsspiel gegen Ferencváros in Budapest 1:2 verloren. Nur eine Woche später trafen die Ungarn im Finale im Stadio Comunale in Turin auf Juventus. Titelverteidiger Real Saragossa war nicht an den Start gegangen.

Die UEFA hatte den Messepokal erstmals offiziell als dritten Europacup neben dem der Landesmeister und dem der Pokalsieger anerkannt, so dass kein Klub parallel an einem anderen Wettbewerb teilnehmen durfte. Das Team von Ferencváros um Superstar Flórián Albert ging als krasser Außenseiter in dieses Auswärtsspiel, überraschte jedoch die Experten – und die 30.000 Zuschauer – als es durch einen Treffer von Máté Fenyvesi in der 74. Minute die „Alte Dame“ mit 1:0 bezwang. Zum ersten Mal ging die Trophäe also nicht an einen spanischen oder italienischen Klub.

1965/66

Unvorstellbar: Drei Mal entschied der Münzwurf über Weiterkommen und Ausscheiden. Drei Mal stand es nach Hin- und Rückspiel – die Auswärtstorregel gab es noch nicht – unentschieden, drei Mal brachte auch das Entscheidungsspiel keine Entscheidung. Die AC Mailand war einmal Gewinner (gegen Racing Strasbourg), einmal Verlierer (gegen Chelsea FC) dieses Glücksspiels. Großes Pech hatte der deutsche Vertreter Hannover 96. Nach dem 2:1 zu Hause gegen den CF Barcelona unterlagen die Niedersachsen im Camp Nou mit 0:1. Im Entscheidungsspiel, das in Hannover ausgetragen wurde, führte die Elf von Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein bis zwei Minuten vor dem Ende mit 1:0, ehe Lluís Pujol die Verlängerung erzwang. Die blieb torlos, dann flog die Münze…

Im Viertelfinale setzte sich der CF Barcelona im Stadtderby gegen Espanyol durch und stürmte schließlich durch ein 5:0 im Tie-breaker gegen Chelsea ins Endspiel, wo Real Saragossa wartete. Es war das bereits dritte innerspanische Finale, dessen Sieger diesmal wieder in zwei Begegnungen ermittelt wurde. Die erste entschied Saragossa in Barcelona mit 1:0 für sich, die zweite in La Romareda wurde zu einem dramatischen Wechselbad: Pujol brachte Barça 1:0 und fünf Minuten vor dem Ende mit 3:1 in Führung, Marcelino Martínez erzwang mit dem 2:3 in der 87. die Verlängerung. In der 120. Minute war erneut Pujol zur Stelle und sorgte mit seinem 4:2 für den dritten Cup-Triumph der Blaugrana.

1966/67

Die Entscheidungsspiele wurden abgeschafft, bei Gleichstand nach zwei Begegnungen trat erstmals die Auswärtstorregel in Kraft. Der Münzwurf blieb – für den Fall, dass Hin- und Rückspiel auch nach Verlängerung mit demselben Ergebnis endeten. Dinamo Zagreb, das eine Runde zuvor gegen Spartak Brünn Glück beim Münzwurf gehabt hatte, war im Sechzehntelfinale das erste Team, das von der Auswärtstorregel profitierte und nach einem 2:4 auswärts durch ein 2:0 zu Hause Dunfermline Athletic eliminierte. Beim Hinspiel im East End Park stand es eine Viertelstunde vor dem Ende noch 2:2, dann schlug Alex Ferguson zwei Mal für The Pars zu.

Überhaupt profitierten die Jugoslawen neben ihrer unglaublichen Heimstärke auch von der Tatsache, das Rückspiel immer im heimischen Stadion Maksimir austragen zu dürfen, wo Keeper Zlatko Škorić in sieben Partien ohne Gegentor blieb: Den 2:0-Erfolgen gegen Brünn und Dunfermline folgten im weiteren Verlauf schließlich ein 0:0 gegen Dinamo Pitești (nach einem 1:0 in Rumänien), ein 3:0 gegen Juventus (2:2) sowie ein 4:0 nach Verlängerung gegen Eintracht Frankfurt (0:3). Im Finale trafen sie auf die favorisierten Engländer von Leeds United mit seinen Superstars Billy Bremner, Norman Hunter und Jackie Charlton – und mussten erstmals zunächst daheim ran. Die Elf des Trainergespanns Branko Zebec und Ivica Horvat hielt hinten erneut die Null. Vor 31.800 Zuschauern schossen Marijan Čerček und Krasnodar Rora einen 2:0-Erfolg heraus, eine Woche später verteidigte das Team um Kapitän Slaven Zambata, mit sechs Treffern bester Dinamo-Torschütze in diesem Wettbewerb, diesen Vorsprung durch ein torloses Remis.

Torschützenkönig wurde Flórián Albert von Ferencváros mit acht Toren, alleine vier davon allerdings beim 7:1 gegen Örgryte Göteborg. Im Achtelfinale schieden die Ungarn sang- und klanglos gegen Eintracht Frankfurt aus. Den von „Elek“ Schwartz trainierten Frankfurtern fehlten im Maksimir drei Minuten zum Einzug ins Endspiel. Doch dann egalisierte Josip Gucmirtl das 3:0 aus dem Hinspiel, in der 102. Minute verwandelte Rudolf Belin einen Elfmeter zum 4:0 für Dinamo Zagreb.

1967/68

Erstmals war es in dieser Europapokal-Saison erlaubt, zwei Spieler pro Partie ein- bzw. auszuwechseln. Zagreb machte da weiter, wo es in der Vorsaison aufgehört hatte, und legte mit einem 5:0-Heimsieg gegen Petrolul Ploiești den Grundstein für den Einzug in die nächste Runde. Hier kam jedoch nach einem 0:0 in Bologna zu Hause das überraschende Aus. Helmut Haller und Bruno Pace mit dem 2:1-Siegtreffer zwei Minuten vor dem Ende schalteten den Titelverteidiger aus.

Dinamo war hinter Sarajevo jugoslawischer Vizemeister geworden und hatte den Einzug in den Cup der Landesmeister nur um zwei Zähler verpasst. Die anderen beiden Starter vom Balkan waren Partizan Belgrad und Vojvodina Novi Sad. Partizan scheiterte in der zweiten Runde an Leeds United (1:2, 1:1), zweifacher Torschütze für das Team von Coach Don Revie war Peter Lorimer, der beim 9:0 in Runde eins gegen Spora Luxemburg vier Mal getroffen hatte und am Ende mit insgesamt acht Einschüssen Torschützenkönig wurde.

Vojvodina schied schließlich im Viertelfinale gegen Bologna aus (0:0, 0:2), das wiederum am Sieger von 1965 – Ferencváros Budapest – scheiterte (2:3, 2:2). Das andere Halbfinale entschied Leeds United im britischen Duell mit dem Dundee FC für sich. Eddie Gray markierte nach einem 1:1 im Dens Park im Rückspiel das entscheidende 1:0. Und auch im Final-Hinspiel behielt United an der Elland Road gegen Albert und Co. mit 1:0 die Oberhand, Mick Jones hatte kurz vor der Pause das Tor des Abends markiert. Das Rückspiel fand erst über einen Monat später statt – und war lange fraglich gewesen. Wenige Wochen zuvor waren Truppen des Warschauer Pakts in Prag einmarschiert, dunkle Wolken brauten sich am politischen Himmel zusammen. Ein sportlicher Boykott gegen den Ostblock-Aggressor stand zur Debatte, doch Leeds United flog dessen ungeachtet in die ungarische Hauptstadt und ignorierte sämtliche Warnungen. Die Partie, die Ferencváros im Népstadion und nicht in seiner eigentlichen Heimat, dem Stadion an der Üllői út, austrug, verlief ohne Zwischenfälle – und endete 0:0. Erstmals ging der Messestädte-Pokal somit nach England.

1968/69

64 Mannschaften, so viele wie bislang noch nie, gingen an den Start, längst hatte der Messe-Pokal die anderen beiden Europapokal-Wettbewerbe, die zusammen 64 Teams ins Rennen schickten, in Bezug auf die Teilnehmerzahl übertroffen. Wobei mit KB Kopenhagen und US Luxemburg zwei Klubs vor dem ersten Anpfiff zurückzogen, Nutznießer waren Lokomotive Leipzig und Újpesti Dózsa aus Budapest. Fünf Mal kam auch wieder die Münze zum Einsatz, die Liverpool, Marseille, Coimbra, Chelsea und Neapel (gegen Titelverteidiger Leeds) aus dem Rennen warf.

Zum Überraschungsteam avancierte der Göztepe SK aus Izmir, der bis ins Halbfinale vorstieß. Mal profitierten die Türken von der Auswärtstorregel (OFK Belgrad), mal vom Münzwurf (Olympique Marseille) – und im Viertelfinale von der Absage des Hamburger SV, der sich wegen Terminschwierigkeiten zurückzog. In der Runde der letzten Vier war das Team von Trainer Adnan Süvari gegen Újpest jedoch chancenlos. Ferenc Bene und Antal Dunai – später mit zehn „Buden“ Torschützenkönig – trafen beim 4:1 in Izmir je zwei Mal, Çağlayan Derebaşı war in der 15. Minute per Strafstoß lediglich der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich gelungen. In Budapest gingen die Türken dann 0:4 unter, Bene traf drei Mal.

Im zweiten Halbfinale standen sich Newcastle United und die Glasgow Rangers gegenüber. Die Rangers wollten aus dem Schatten ihres Lokalrivalen Celtic treten, der zwei Jahre zuvor erstmals den Cup der Landesmeister nach Schottland geholt hatte, kamen aber im Ibrox Park nicht über ein 0:0 hinaus. In Kader der Rangers standen mehrere Spieler, die drei Jahre später den Cup der Pokalsieger gewinnen sollten, aber gegen die Magpies reichte es 1969 noch nicht: James Scott und John Sinclair erzielten im Rückspiel nach torloser erster Hälfte die Tore zum 2:0-Sieg für Newcastle.

Wieder also standen sich ein englisches und ein ungarisches bzw. Budapester Team im Finale gegenüber. Der Pokal blieb schließlich auf der Insel – auch wenn es lange Zeit spannender war, als es die blanken Final-Ergebnisse letztlich ausdrücken. Im St. James‘ Park stand es über eine Stunde lang 0:0, ehe zwei Mal Kapitän Bobby Moncur und Scott ein komfortables 3:0 herausschossen. Zwei Wochen später aber musste die Elf vom Coach Joe Harvey im Stadion an der Megyeri út zittern, als die „Lilanen“ zur Pause durch Tore von Bene und Kapitän János Göröcs 2:0 führten – doch unmittelbar nach dem Wiederanpfiff nahmen Moncur (46.) und Benny Arentoft (50.) die Luft raus. Der kurz zuvor eingewechselte Allan Foggon sorgte schließlich mit dem 3:2 dafür, dass die 18.000 Zuschauer völlig enttäuscht den Heimweg antraten.

1969/70

Arsenals Trainer Bertie Mee hatte im Final-Hinspiel das richtige Händchen, als er im Brüsseler Astrid-Park eine Viertelstunde vor Schluss den 18-jährigen Ray Kennedy, der im weiteren Verlauf seiner Karriere viele Titel mit dem Liverpool FC gewinnen sollte, ins kalte Wasser warf. Fünf Minuten später erzielte der Youngster den 3:1-Ehrentreffer der „Gunners“ beim RSC Anderlecht. Johan Devrindt und der Niederländer Jan Mulder mit einem Doppelpack hatten die Belgier bereits an den Cupgewinn glauben lassen, doch Kennedys Treffer ließ Zweifel aufkommen. Sechs Tage später in Highbury drehte Arsenal schließlich mit einem 3:0 den Spieß endgültig um. Kennedy kam diesmal nicht zum Einsatz.

Der Messe-Pokal blieb also auch im dritten Jahr in Folge in England, wechselte aber erneut die Stadt. Für die Gunners war es erst die zweite Europapokal-Teilnahme überhaupt, bei ihrer ersten, dem Messe-Pokal 1964, waren sie in der zweiten Runde am FC Lüttich gescheitert. Nun hatten sie sich gegen den Glentoran FC aus Nordirland, Sporting Lissabon, den FC Rouen (Frankreich), Dinamo Bacău (Rumänien) und im Halbfinale gegen Ajax Amsterdam mit dem jungen Johan Cruijff (3:0, 0:1) durchgesetzt. In allen Partien in Highbury kassierten sie nur ein Gegentor (gegen Bacău). Beflügelt von diesem Erfolg stürmte Arsenal in der Folgesaison zu seinem ersten Double-Gewinn.

Anderlechts Paul van Himst, so etwas wie der erste belgische Fußballstar, musste sich mit der Torjägerkanone (10) begnügen. Vier Treffer erzielte er alleine im Erstrundenmatch gegen Valur Reykjavík (6:0), fünf weitere in der Folgerunde gegen die Nordiren von Coleraine FC (6:1, 7:3). Im Achtelfinale setzte sich Anderlecht schließlich gegen Dunfermline Athletic durch, das im Vorjahr nur denkbar knapp im Halbfinale des Cups der Pokalsieger am späteren Gewinner Slovan Bratislava gescheitert war. 1:0 in Brüssel, 2:3 in Schottland – van Himst erzielte eine Viertelstunde vor Schluss den 1:2-Anschlusstreffer, kurz darauf fiel das 2:2, das 3:2 kam aus Sicht der Schotten zu spät. Im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Newcastle ging van Himst leer aus, und prompt stand Anderlecht kurz vor dem K.o.: Nach dem 2:0 im Hinspiel lagen die Belgier im St. James‘ Park 0:3 hinten, ehe Thomas Nordahl drei Minuten vor dem Ende das rettende 1:3 gelang.

Im Halbfinale sorgte die Elf von Trainer Pierre Sinibaldi für eine regelrechte Sensation, als sie mit einem 2:0 im Rückspiel (Hinspiel: 0:1) in San Siro das favorisierte Inter Mailand eliminierte. Der Niederländer Gerard Bergholtz erzielte gegen die Nerazzurri beide Treffer. Am 28. April 1970 sah es in einem matschigen Highbury lange danach aus, als könne Anderlecht den großen Coup landen. Eddie Kellys 1:0 aus der 25. Minute hätte den Gunners nicht gereicht. Doch ein Doppelschlag von John Radford (75.) und Jon Sammels (76.) ließen den Traum zerplatzen.

1970/71

Der Messe-Pokal ging in seine letzte Saison. Obwohl sich am Format – 64 Mannschaften aus allen Ligen Europas, jeweils die Bestplatzierten hinter den Landesmeistern mit Ausnahme der Pokalsieger – nichts änderte, wurde der Wettbewerb offiziell eingestellt und ein Jahr später mit dem „UEFA-Pokal“ ein neuer etabliert, der jedoch gefühlt wie der alte war, nur eben anders hieß und unter der Schirmherrschaft des europäischen Verbands ausgetragen wurde.

Die englischen Sieger der Vorjahre – Leeds, Newcastle und Arsenal – erreichten allesamt die zweite Runde, ebenso wie weitere frühere Gewinner (FC Valencia, Dinamo Zagreb) sowie Rekordtitelträger CF Barcelona, der dann aber gegen Juventus Turin die Segel strich (1:2, 1:2). Für Arsenal war im Viertelfinale Schluss. Der 1.FC Köln setzte sich mit 1:0 (Werner Biskup, Strafstoß) nach 1:2 durch und erreichte zum zweiten Mal nach 1964 die Runde der letzten Vier.

In den anderen Viertelfinals blieb der FC Bayern München gegen Liverpool chancenlos (1:1, 0:3), setzte sich Leeds United knapp gegen Vitória Setúbal durch (2:1, 1:1) und musste Juventus beim FC Twente in die Verlängerung. Hier erzielte Pietro Anastasi zwei Tore zum 2:2-Ausgleich, die nach dem 2:0 von Turin das Weiterkommen bedeuteten. Der Angreifer brachte es in Summe auf zehn Treffer und wurde somit Torschützenkönig. Im Halbfinale bezwang Juve den 1.FC Köln mit 3:1 in der Addition (1:1, 2:0) und verhinderte dadurch, dass ein deutscher Klub jemals das Endspiel des Messe-Pokals erreichte. Leeds setzte sich im innerenglischen Duell gegen Liverpool durch, Bremner markierte an der Anfield Road den einzigen Treffer in 180 Minuten.

Das erste Finale in Turin wurde nach 51 Minuten wegen starken Regens abgebrochen und zwei Tage später neu angesetzt. Zwei Mal ging die „Alte Dame“ in Führung, erst durch Roberto Bettega, dann durch Fabio Capello, doch United, das nahezu in derselben Besetzung wie beim Titelgewinn 1968 spielte und überhaupt die beste Phase seiner Klubgeschichte durchlief, glich jeweils durch Paul Madeley und Mick Bates aus. Auch die dritte Partie blieb ohne Sieger, denn an der Elland Road trennten sich beide Teams nach Toren von Allan Clarke (12.) und Anastasi (20.) 1:1. Die Trophäe ging also aufgrund der Auswärtstorregel an Leeds.

Es war nicht das letzte Spiel in der kurzen Geschichte des Messestädte-Pokals. Um zu entscheiden, wer den Messe-Pokal für immer in seine Vitrinen stellen darf (die UEFA gab für den UEFA-Pokal ab 1972 eine neue Trophäe in Auftrag), wurde ein „Entscheidungsspiel“ angesetzt, für das sich der erste (CF Barcelona) und letzte (Leeds United) Titelträger qualifizierte. Das Spiel wurde am 22. September 1971 angepfiffen, wenige Tage also, nachdem der UEFA-Pokal 1971/72 bereits gestartet war. Teófilo Dueñas avancierte zum Helden.


CF Barcelona – Leeds United 2:1 (1:0)
Barcelona:
Sadurní – Rifé, Gallego, Eladio, Torres, Costas, Rexach, Marcial, Dueñas, Juan Carlos, Asensi (79′ Fusté). – Trainer: Michels.
Leeds: Sprake – Reaney, Charlton, Davey, Bremner, Hunter, Lorimer, Jordan, Belfitt, Giles, Galvin. – Trainer: Revie.
Tore: 1:0 Dueñas (51′), 1:1 Jordan (52′), 2:1 Dueñas (84′). – SR: Zsolt (Ungarn). – Zuschauer: 35.000.
Barcelona, »Camp Nou«, 22. September 1971


Barcelona sollte nur einen Monat später im Cup der Pokalsieger kläglich an Steaua Bukarest scheitern (0:1, 1:2). Noch schlimmer erging es Leeds United, das im UEFA-Pokal startete und so eine Art „inoffizieller Titelverteidiger“ war. Das Team von Coach Revie schied in der ersten Runde trotz eines 2:0-Hinspielsiegs bei Lierse SK (eine Woche vor dem Barcelona-Spiel) aus. Sieben Tage nach der Niederlage im Camp Nou kam United an der Elland Road gegen die Belgier 0:4 unter die Räder. Es war die bis heute höchste Europapokal-Heimniederlage für Leeds.

Siegerliste

CF Barcelona 3 [3-1]
FC Valencia 2 [2-1]
Leeds United 2 [2-1]
Real Saragossa 1 [1-1]
Ferencváros Budapest 1 [1-1]
Dinamo Zagreb 1 [1-1]
AS Roma 1 [1-0]
Newcastle United 1 [1-0]
Arsenal FC 1 [1-0]
London XI 0 [0-1]
Birmingham City 0 [0-2]
Juventus Turin 0 [0-2]
Újpest Budapest 0 [0-1]
RSC Anderlecht 0 [0-1]

Spanien 6 [6-3]
England 4 [4-4]
Italien 1 [1-2]
Ungarn 1 [1-2]
Jugoslawien 1 [1-1]
Belgien 0 [0-1]

Vereine/Stadtauswahlen: 207
Nationen: 28
Meiste Teilnahmen: CF Barcelona, 11
Bestplatzierte Stadtauswahl in der Ewigen Tabelle: Leipzig XI, 41.
Rekordtorschütze: Waldo, FC Valencia, 31

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