Lost Grounds: Gone, but not forgotten (Italien)

Die Serie „Gone, but not forgotten“ widmet sich Stadien und Arenen, die heute nicht mehr existieren. Voraussetzung, um in diese Liste aufgenommen zu werden, ist der vollständige Abriss der jeweiligen Sportstätte. Eine bloße Namensänderung oder auch eine Rundumrenovierung reichen nicht aus, da die Geo-Koordinaten noch dieselben sind. Auch nicht die Tatsache, dass ein Stadion nicht mehr benutzt wird – solange die Arena noch in ihren Grundzügen steht, gilt sie nicht als „gone“. Der vierte Teil dieser Serie listet die GBNF-Grounds aus Italien auf.

Italien ist für seine in die Jahre gekommenen, maroden Stadien bekannt. Viele Arenen wurden zwar für die WM 1990 aufwändig renoviert, seitdem wurde aber kein Finger mehr krumm gemacht. Selbst im Stadio Marcantonio Bentegodi von Verona, das im wohlhabenden Norden des Landes liegt, hat bis heute niemand die „Italia 90“-Schilder abmontiert. Die Liste der GBNF-Grounds beschränkt sich somit auf wenige, vollkommen in Vergessenheit geratene Stadien, die lange vor Beginn der Fußball-Moderne abgerissen wurden.

Aus oben genannten Gründen ist zum Beispiel das berühmte Stadio Filadelfia, in dem Torino Calcio viele Erfolge feierte und von 1943 bis 1949 in 88 Liga-Spielen ungeschlagen blieb, nicht mit aufgeführt. Zwar gammelte die Arena nach der Eröffnung des Stadio Comunale viele Jahre vor sich hin, wurde zu großen Teilen von der Natur zurückerobert und Ende der 90er Jahre sogar abgerissen, aber 2011 schließlich mit einem Kunstrasenplatz und einer neuen Haupttribüne versehen wiedereröffnet. Der Torino-Nachwuchs trägt hier unter anderem seine Partien aus, das Filadelfia trägt sogar noch seinen alten Namen, ist also nicht „gone“. Selbst das Stadio Amsicora, in dem Cagliari 1970 sensationell italienischer Meister wurde, existiert noch. Zwar nicht mehr in seiner ursprünglichen Form als 34.000-Zuschauer-Stadion, aber in reduzierter Version an derselben Stelle.

Stadio Velodromo Libertas („Via Bellini“) | Florenz

Erbaut: 1920-22
Fassungsvermögen: 10.000
Verein: AC Fiorentina
Abgerissen: 1950er
Als die AC Fiorentina 1926 aus dem Zusammenschluss der beiden Vereine Club Sportivo Firenze (1903) und Palestra Ginnastica Fiorentina Libertas (1877) entstand, wurde das Stadion von Libertas als Spielsstätte auserwählt. Dabei handelte es sich um einen Stahlbeton-Bau in der Via Vincenzo Bellini, das von einer Leichtathletik- und Radrennbahn umgeben war. Das erste Fußballspiel wurde hier knapp zwei Wochen nach der Eröffnung der Arena im April 1922 ausgetragen. Im Juli desselben Jahres ging das erste Radrennen über die Bühne, zwei Mal war das Velodrom auch Etappenziel des Giro d’Italia. Die dritte Etappe 1923 von Genua nach Florenz gewann der italienische Volksheld Costante Girardengo im „Bellini“. Ihr erstes Liga-Spiel in diesem Stadion gewann die Fiorentina 3:1 gegen Pisa. Nach fünf Spielzeiten in der Via Bellini zog die Viola ins neue Stadio Giovanni Berta (heute: Artemio Franchi) um, die alte Heimstätte diente bis in die 50er in verschiedenen Funktionen, musste dann aber aufgrund seiner attraktiven Lage in Zentrumsnähe dem Wohnungsbau weichen. >>


Stadio Partenopeo | Neapel

Erbaut: 1929-30 (auch Stadio Giorgio Ascarelli)
Fassungsvermögen: 40.000
Verein: AC Napoli
Abgerissen: 1945
Der junge Präsident der AC Neapel, der erfolgreiche Textilunternehmer Giorgio Ascarelli, ließ seinem Klub Ende der 20er Jahre dieses Stadion bauen, in dem bei der WM 1934 ein Achtelfinale sowie das Spiel um Platz drei zwischen Deutschland und Österreich (3:2) ausgetragen wurden. Das erlebte Ascarelli allerdings nicht mehr, er war bereits 1930 im Alter von nur 36 Jahren an einer Bauchfellentzündung gestorben, nur wenige Tage nach der offiziellen Eröffnung. Das Stadio Vesuvio, wie es zunächst hieß, erhielt daraufhin Ascarellis Namen, ehe es von den Faschisten aufgrund dessen jüdischer Abstammung in Stadio Partenopeo umbenannt wurde. Pünktlich zur WM 1934 ersetzten Stahlbetonkonstruktionen die wackligen Holztribünen und erhöhten so die Kapazität auf 40.000. 1942 wurde das Stadion durch Fliegerbomben dem Erdboden gleichgemacht. >>


Campo Testaccio | Rom

Erbaut: 1928-29
Fassungsvermögen: 20.000
Verein: AS Roma
Abgerissen: 1940
Der Monte Testaccio gehört nicht zu den famosen „Sieben Hügeln“, ist aber gleichfalls eine 49 Meter hohe Erhebung in der Hauptstadt. Er diente nicht nur als Namensgeber für die 1929 eröffnete dritte Heimstätte der AS Roma, sondern fungierte auch als kostenlose Zusatztribüne. Bei Spielen der Giallorossi fanden sich große Menschenmassen auf dem Testaccio ein, die von hier aus ihr Team anfeuerten, ohne Eintrittsgeld zu entrichten. Ihre erste Serie-A-Partie im Campo Testaccio, das dem Liverpooler Goodison Park nachempfunden war, gewann die Roma 2:1 gegen Brescia. Nicht etwa auf Rasen, sondern auf einem Hartplatz. Bereits 1940 war der Spielort mit seinen Holztribünen aus der Zeit gefallen, die Fußballer zogen in das Stadio Nazionale del Partito Nazionale Fascista (heute Stadio Flaminio) um, in dem 1934 Italien Weltmeister geworden war. >>


Campo Juventus („Corso Marsiglia“) | Turin

Erbaut: 1921-22
Fassungsvermögen: 25.000
Verein: Juventus
Abgerissen: 1939
Vier seiner 36 Meisterschaften gewann Juventus im Stadion am Corso Marsiglia, der heute Via Tirreno heißt. 1922 als erste Stahlbetonkonstruktion Italiens in unmittelbarer Nähe der damaligen FIAT-Zentrale eröffnet, ersetzte der Campo Juventus die alte Heimat am Corso Sebastopoli und bot mit seiner modernen Infrastruktur 25.000 Zuschauern Platz. 1933, unmittelbar nach dem Gewinn ihres sechsten Scudetto, zog Juve in das für die WM 1934 erbaute Stadio Mussolini (später Comunale, heute Olimpico Grande Torino) um. Am Corso Marsiglia, das als großer Sportkomplex auch mehrere Tennisplätze beherbergte, wurden noch viele Rugby-Spiele ausgetragen, ehe das Gelände für den sozialen Wohnungsbau genutzt wurde. >>


Stadio Moretti | Udine

Erbaut: 1920-24
Fassungsvermögen: 25.000
Verein: AC Udinese
Abgerissen: 1998
Die Kirche steht immer noch da, das Stadion ist weg. Bis 1976 war Udinese im Stadio Moretti zu Hause, und auf alten Spielbildern ist im Hintergrund immer die Parrocchia di San Nicolò Vescovo al Tempio Ossario zu sehen. Das Stadion entstand Anfang der 20er Jahre auf Betreiben der in Udine gegründeten Brauerei Birra Moretti, die zugleich Eigentümer der Anlage war. In der Spielzeit 1954/55 feierte Udinese hier ihren größten Erfolg, als die Schwarz-Weißen hinter Milan Vizemeister wurden. Auf der ovalen Schotterpiste, die um das Moretti herumführte, wurden gelegentlich Motocross-Rennen ausgetragen. Mit dem Bau des modernen Stadio Friuli Mitte der 70er hatte die flutlichtlose Arena ausgedient, bis zu ihrem Abriss diente sie noch als Trainingszentrum. >>

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