Playback: 100 legendäre Mannschaftsfotos (2)

Mannschafsfotos sind wie Gemälde. Sie entstehen vor einer Saison während der Vorbereitung oder unmittelbar vor großen Spielen. Heute sind sie auf dem Reißbrett entworfen, mit Werbebanden, gestutzten Grashalmen und Physioköfferchen. Früher, als der Begriff „corporate identity“ noch nicht existierte, waren sie reine Improvisation. Der Blick in die Kamera war nicht verpflichtend, eine akribische Anordnung der Protagonisten ebenfalls nicht erforderlich – und die Frisuren sowieso andere. Hier sind die legendärsten 100 Mannschaftsfotos und ihre Geschichte (jeweils eines pro Verein bzw. Nationalmannschaft) – Teil 2 von 4.

SS Lanerossi Vicenza | 1978

1977/78 stürmte die Società Sportiva „Lanerossi“ Vicenza als Aufsteiger zur Vizemeisterschaft in der Serie A. Der Erfolg der Rot-Weißen wurde durch den 1817 vor den Toren der Stadt gegründeten Textilhersteller „Lanerossi“ (Rote Wollen) möglich gemacht, den der Verein von 1953 bis 1990 im Namen trug und der erst durch sein Sponsoring überregionale Bekanntheit erlangte. Es ist ein Zufall, dass das Aushängeschild des Klubs denselben Nachnamen trägt wie Firmengründer Francesco Rossi: Paolo Rossi, auf dem Foto vom Januar 1978 mit lässig aus der Hose hängendem Trikot, wurde 1977/78 mit 24 Treffern Torschützenkönig der Serie A und spielte von 1976 bis 1979 für die „Biancorossi“. In Vicenza gilt diese Vizemeisterschaft als größter Erfolg der Klubhistorie. Ihren einzigen Titel holten die Veneter 1997, als sie durch ein 3:0 nach Verlängerung gegen Napoli die Coppa Italia gewannen. Seit 2021 nennt sich der Verein „L.R. Vicenza“.
Hinten v.l.: Ernesto Galli, Renato Faloppa, Giorgio Carrera, Paolo Rossi, Giuseppe Lelj, Valeriano Prestanti.
Vorne v.l.: Roberto Filippi, Giancarlo Salvi, Luciano Marangon (I), Mario Guidetti, Franco Cerilli.


Huddersfield Town AFC | 1925

Zeitgemäß posierte das Team von Huddersfield Town 1925 für sein Mannschaftsfoto vor dem Gemäuer eines fabrikähnlichen Gebäudes. Coach Herbert Chapman hatte die „Terriers“ 1924 und 1925 zur englischen Meisterschaft geführt. Beim Gewinn der dritten und bis heute letzten 1926 war Chapman bereits in die Hauptstadt zum Arsenal FC abgewandert, wo er das erfolgreiche „WM-System“ etablierte und eine erfolgreiche Epoche einläutete: Die „Gunners“ gewannen unter seiner Führung zwei Mal die Meisterschaft und 1930 das FA-Cup-Finale – ausgerechnet gegen Huddersfield. Der Klub aus der Grafschaft Yorkshire, der kürzlich (2017-19) noch einmal ein Gastspiel in der Premier League gab, hatte den Pokal 1923 (ebenfalls unter Chapman) geholt und somit Mitte der 1920er Jahre seine Blütezeit erlebt. 1934 stürmten die Blau-Weißen zu ihrer dritten und letzten Vizemeisterschaft. Im Januar war Chapman mit gerade mal 55 Jahren in London an einer Lungenentzündung gestorben.
Hinten v.l.: Herbert Chapman, David Steele, Roy Goodall, Harry Cawthorne, Edward Taylor, Sam Wadsworth, Jack Chaplin.
Vorne v.l.: Joey Williams, George Brown, Charlie Wilson, Tom Wilson, George Cook, William “Billy” Smith, William “Billy” Watson.


FC Sochaux-Montbéliard | 1980

Der FC Sochaux, 1928 als Werksklub des Automobilherstellers Peugeot gegründet, erlebte Anfang der 80er Jahre seine erfolgreichste Zeit. Die „Löwen“ wurden 1980 hinter dem FC Nantes französischer Vizemeister und starteten anschließend im UEFA-Pokal richtig durch. In ihrem kleinen Stade Bonal, das sich praktisch auf dem Peugeot-Werksgelände befindet, schalteten die Ost-Franzosen unter anderem den Titelverteidiger Eintracht Frankfurt (2:0 nach 2:4) aus, scheiterten aber im Halbfinale knapp am niederländischen Champions AZ. Emblematischster Spieler der Blau-Gelben, die in ihrer Anfangszeit zwei Mal Meister wurden (1935 und 1938), war Bernard Genghini, der regelmäßig für die Équipe Tricolore auflief und 1984 mit ihr Europameister wurde. Von 1995 bis zum Verkauf des Klubs an ein chinesisches Unternehmen 2015 war er in verschiedenen Funktionen, unter anderem als Sportdirektor, für Sochaux aktiv.
Hinten v.l.: René Hauss, Philippe Anziani, Jean-Pierre Posca, Jean-Luc Ruty, Albert Rust, Jacques Bonnevay, Abdel Djaadaoui, Jean Fauvergue.
Vorne v.l.: Thierry Meyer, Salih Durkalić, Moussa Bezaz, Bernard Genghini, Patrick Revelli, Yannick Stopyra, Zvonko Ivezić.


CA Boca Juniors | 1978

Die ganz große Zeit mit Diego Maradona (1981-82) stand den Boca Juniors Ende der 70er noch bevor, und doch waren die Blau-Gelben bereits 1978 der beste Klub der Welt. Zumindest gewannen sie in diesem Jahr erstmals den Weltpokal. Verwirrenderweise handelte es sich offiziell um den Weltpokal 1977, aber die Euro 2020 wurde ja auch erst 2021 ausgespielt. Gegner der Argentinier war nicht etwa der Liverpool FC, der den Europapokal der Landesmeister 1977 gewonnen hatte und „Terminschwierigkeiten“ beklagte, sondern der unterlegene Endspiel-Gegner Borussia Mönchengladbach. Und nach dem 2:2 im Hinspiel in „La Bombonera“ im März 1978 wurde das Rückspiel am 1. August 1978 nicht auf dem Gladbacher Bökelberg, der sich gerade im Umbau befand, sondern im Karlsruher Wildparkstadion ausgetragen, weil sich die Borussen zur Vorbereitung auf die zehn Tage später beginnende Bundesliga-Saison ohnehin in der benachbarten Sportschule Schöneck befanden. Das Foto entstand unmittelbar vor dem Anpfiff der Partie, die Boca nach Toren von Felman, Mastrángelo und Salinas 3:0 gewann. Da die beiden Begegnungen in zwei unterschiedlichen Saisons ausgetragen wurden, fehlten im Rückspiel zahlreiche Akteure, die beim Hinspiel noch dabei gewesen waren, in Reihen der Gladbacher unter anderem Reiner Bonhof. Interessant: Bei den Juniors war niemand dabei, der wenige Wochen zuvor in Buenos Aires den ersten WM-Titel Argentiniens gefeiert hätte. Überhaupt stand damals nur ein Boca-Spieler im erweiterten Kader von Trainer César Luis Menotti, doch Alberto Tarantini war anschließend zu Birmingham City gewechselt.
Hinten v.l.: José Luis Tesare, Rubén Suñé, Mario Zanabria, Victor Pernía, Hugo Gatti, Miguel Ángel Bordón.
Vorne v.l.: Ernesto Mastrángelo, José Luis Saldaño, Carlos Salinas, Darío Felman, José Maria Suárez.


DDR | 1974

Als die Nationalmannschaft der Deutschen Demokratischen Republik am 14. Juni 1974 in Hamburg mit einem 2:0 gegen Australien in die WM startet, ahnt höchstens ihr Trainer Georg Buschner, dass die DDR-Auswahl ihre erfolgreichste Zeit einläutet. Acht Tage später wird seine Elf an selber Stelle dank eines Treffers von Jürgen Sparwasser mit einem 1:0 gegen den Gastgeber und „Klassenfeind“ Bundesrepublik Deutschland Geschichte schreiben – und sich den Gruppensieg sichern. In der Zwischenrunde folgt dann nach Niederlagen gegen Brasilien (0:1) und die Niederlande (0:2) zwar das Aus, aber das Erreichen der letzten Acht bei einer Weltmeisterschaft wird als größter Erfolg einer DDR-Nationalmannschaft in die Annalen eingehen. Zwei Jahre später tröstete sich dieses Team mit der olympischen Goldmedaille, die es durch ein 3:1 in Montréal gegen Titelverteidiger Polen gewann.
Hinten v.l.: Bernd Bransch, Joachim Streich, Jürgen Sparwasser, Harald Irmscher, Jürgen Croy, Siegmar Wätzlich.
Vorne v.l.: Wolfram Löwe, Gerd Kische, Konrad Weise, Eberhard Vogel, Jürgen Pommerenke.


CS Universitatea Craiova | 1982

Blöde Auswärtstorregel. Nur wegen ihr verpasste der Clubul Sportiv (CS) Universitatea Craiova in der Saison 1982/83 den Einzug ins UEFA-Pokal-Finale. Der Universitätsverein wäre der erste rumänische Klub gewesen, dem dieses Kunststück gelungen wäre (er war immerhin der erste, der das Halbfinale erreichte) – und das, obwohl doch die vermeintlich stärksten Spieler des Landes in der Hauptstadt bei Steaua oder Dinamo unter Vertrag standen. Aber Mitte der 70er Jahre hatte sich die Mannschaft aus der Kleinen Walachei zu einem Spitzenteam entwickelt, das zwischen 1974 und 1981 drei Mal die Meisterschaft gewann und im Landesmeisterwettbewerb 1981/82 erst im Viertelfinale am FC Bayern München scheiterte. 1982 startete die Truppe von Trainer Constantin Oțet als Vizemeister (zwei Punkte hinter Dinamo) in den UEFA-Pokal und stürmte nach Siegen über die AC Fiorentina, die Shamrock Rovers und die Girondins Bordeaux ins Viertelfinale, wo sie beim 1.FC Kaiserslautern bereits hoffnungslos 0:3 zurücklag. Am Ende hieß es nur 2:3 – und zwei Wochen später im Rückspiel an einem sonnigen Mittwochnachmittag vor 30.000 Zuschauern im Stadionul Central schoss Nicolae Negrilă die „Studenții“ sieben Minuten vor dem Ende ins Halbfinale. Hier hatte die Auswärtstorregel noch geholfen, nun sollte sie gegen Benfica Lissabon zum Verhängnis werden: nach einem 0:0 im Estadio da Luz führte Universitatea zu Hause lange 1:0 (Ilie Balaci), doch das 1:1 der Portugiesen verwehrte den Rumänen den Einzug ins Finale.
Hinten v.l.: Ilie Balaci, Zoltan Crişan, Nicolae Negrilă, Nicolae Ungureanu, Dumitru Ion, Sorin Cirţu.
Mitte v.l.: Dr. Vasile Frinculescu, Silviu Lung, Costică Ştefănescu, Mircea Irimescu, Aurică Beldeanu, Florin Cioroianu, Aurel Ţicleanu, Gabriel Boldici, Vize-Präsident Corneliu Stroie.
Vorne v.l.: Neculai Tilihoi, Grigore Ciupitu, Rodion Cămătaru, Trainer Constantin Oțet, Adrian Popescu, Ion Geolgău, Costică Donose.


Malmö FF | 1979

Malmö FF vs Nottingham Forest – aus heutiger Sicht ein unwirkliches Finale im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb, der 1979 noch nicht Champions League, sondern Europapokal der Landesmeister hieß. Die Schweden schafften es mit ihrem englischen Trainer Bob Houghton tatsächlich als erster skandinavischer Klub ins Endspiel, unterlagen aber am 30. Mai im Münchner Olympiastadion dem Klub aus der Robin-Hood-Stadt mit 0:1. Die Engländer verteidigten im Folgejahr ihren Titel (1:0 gegen den Hamburger SV) und sind somit der einzige Verein, der häufiger den EC1 als die eigene Landesmeisterschaft gewonnen hat. Der schwedische Fußball hingegen durfte nie wieder den Einzug ins Finale eines seiner Klubs bejubeln. Die Himmelblauen von 1979 genießen daher bis heute Kultstatus.
Hinten v.l.: Robert Prytz, Roland Andersson, Anders Ljungberg, Tore Cervin, Ingemar Erlandsson.
Vorne v.l.: Kent Jönsson, Tommy Hansson, Staffan Tapper, Jan Möller, Jan-Olof Kinnvall, Magnus Andersson.


Santos FC | 1962

Os Santásticos, die „Santastischen“ – so wurde das Team des Santos Futebol Clube zu Beginn der 60er Jahre genannt. Auf diesem Foto posiert die Elf von Trainer Lula vor jener Partie, die ihr den ersten großen internationalen Titel brachte: Das Entscheidungsspiel im Finale der Copa Libertadores am 30. August 1962 in Buenos Aires gegen CA Peñarol aus Montevideo. Ein Eigentor sowie ein Doppelpack von Pelé bescherten den Schwarz-Weißen einen 3:0-Sieg. Sieben Spieler aus dieser Startelf – Gilmar, Mauro, Zito, Mengálvio, Coutinho, Pelé und Pepe – hatten wenige Wochen zuvor in Chile noch mit Brasilien den WM-Titel der Seleção verteidigt, Zito beim 3:1 gegen die Tschechoslowakei sogar zum zwischenzeitlichen 2:1 getroffen. Santos gewann in diesem Jahr auch den Weltpokal (gegen Benfica Lissabon) – und verteidigte 1963 beide Titel.
Hinten v.l.: Lima, Zito, Dalmo, Calvet, Gilmar, Mauro.
Vorne v.l.: Dorval, Mengálvio, Coutinho, Pelé, Pepe.


Spartak TAZ Trnava | 1969

Ende der 1960er Jahre mischte Spartak TAZ Trnava den tschechoslowakischen Fußball auf – und nicht nur den. Das „TAZ“ stand für Trnavské automobilové závody (Tyrnauer Automobil-Werke), ein aus dem Škoda-Konzern hervorgegangener, staatlicher Automobil- und Teilehersteller. Die West-Slowaken entwickelten sich unter ihrem ehemaligen Spieler und seit 1956 Trainer Anton Malatinský zu einem Top-Klub, der 1968 erstmals Landesmeister der ČSSR wurde und unter dem neuen Coach Ján Hucko auf Anhieb das Halbfinale im EC1 erreichte. Hier scheiterte Spartak denkbar knapp an Ajax Amsterdam mit dem jungen Johan Cruijff. Nach einem 0:3 im Hinspiel erzielte Ladislav Kuna (1964-80) auf dem „Kartoffelacker“ im unweit des Altstadtkerns gelegenen Stadion Spartak beide Tore zum 2:0-Erfolg, der letztlich nicht reichte. Die große Ära des Klubs endete 1973, als er das letzte Mal den tschechoslowakischen Titel holte und noch einmal ins EC1-Viertelfinale stürmte, wo schließlich gegen den englischen Meister Derby County Schluss war (1:0, 0:2). Großer Star des Teams war Karol Dobiaš (1965-77), der 1976 mit der ČSSR Europameister wurde (und dabei das zwischenzeitliche 2:0 erzielte). Das Mannschaftsfoto entstand 1969.
Hinten v.l.: Vladimír Hagara, František Kozinka, Dušan Kabát, Kamil Majerník, Ladislav Kuna, Josef Geryk, Stanislav Jarábek, Ján Jusko, Peter Koštial, Dušan Keketi, Jozef Adamec.
Vorne v.l.: Adam Farkaš, Karol Dobiaš, Valér Švec, Anton Hrušecký, Trainer Ján Hucko, Stanislav Martinkovič, Alojz Fandel, Vojtech Varadin, Vlastimil Bôžik.


FC Bayern München | 1974

Am 18. Mai 1974 präsentierte der FC Bayern München auf dem Mönchengladbacher Bökelberg seine zweite Europapokal-Trophäe, die erste im Landesmeister-Wettbewerb. Dabei wäre es um ein Haar ganz anders gekommen, hätte Uli Hoeneß im Erstrunden-Match beim schwedischen Champion Åtvidabergs FF nämlich nicht in der letzten Minute eine Verlängerung erzwungen. Das Elfmeterschießen gewannen die Bayern dann 4:3. Nach weiteren spannenden Duellen gegen Dynamo Dresden (4:3, 3:3), ZSKA Sofia (4:1, 1:2) und Újpesti Dósza (1:1, 3:0) erreichte die Elf von Trainer Udo Lattek schließlich das Finale, das gegen Atlético Madrid in Brüssel bereits verloren schien, ehe „Katsche“ Schwarzenbeck in der 120. Minute den Hammer auspackte. Das Wiederholungsspiel dominierten die Bayern klar und siegten nach Doppelpacks von Hoeneß und Gerd Müller 4:0. Am Folgetag (!) trat der FCB bereits zum letzten Bundesliga-Spieltag an – glücklicherweise hatte er mit drei Zählern Vorsprung auf den schärfsten Verfolger Borussia Mönchengladbach bereits den Titel in der Tasche, denn ebenfalls glücklicherweise gab es damals für einen Sieg nur zwei Punkte. Die „Fohlen“ gewannen nämlich 5:0. Den von den Europapokal-Feierlichkeiten müden Münchnern war’s egal: Sie nahmen die Schale und den Henkelpott mit nach Hause. Letzteren verteidigten sie in den beiden Folgejahren.
Hinten v.l.: Ulrich „Uli” Hoeneß, Hans-Josef „Jupp“ Kapellmann, Franz „Bulle“ Roth, Hans-Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, Bernhard „Bernd“ Dürnberger, Gerhard „Gerd“ Müller, Rainer Zobel, Viggo Jensen, Franz Beckenbauer, Trainer Udo Lattek.
Vorne v.l.: Paul Breitner, Herbert Zimmermann, Johnny Hansen, Hugo Robl, Josef „Sepp“ Maier, Erwin Hadewicz, Conny Torstensson.


Kroatien | 1998

Erste WM-Teilnahme als unabhängige Nation – und gleich mal ins Halbfinale gestürmt. Wer weiß, wie diese Partie am 8. Juli 1998 gegen den Gastgeber und späteren Weltmeister Frankreich ausgegangen wäre, hätte Zvonimir Boban nicht beim Stand von 1:0 für Kroatien in der 47. Minute den Ball leichtfertig vertändelt und somit den Ausgleich durch Lilian Thuram eingeleitet… Thuram traf später noch zum 2:1-Endstand. Es waren seine beiden einzigen (!) Länderspieltore für die „Bleus“ in 142 (!) Einsätzen. Kroatien gewann immerhin das Spiel um Platz drei. Wer den Durchmarsch der Kroaten damals für eine Eintagsfliege hielt, wurde 20 Jahre später eines Besseren belehrt…
Hinten v.l.: Zvonimir Boban, Dražen Ladić, Slaven Bilić, Igor Štimac, Zvonimir Soldo, Mario Stanić.
Vorne v.l.: Robert Jarni, Goran Vlaović, Davor Šuker, Dario Šimić, Aljoša Asanović.


Galatasaray SK | 2000

1989 hatte der Galatasaray Spor Kulübü als erster türkischer Klub überhaupt ein Europapokal-Halbfinale (Landesmeister) erreicht, scheiterte aber krachend an Steaua Bukarest. Elf Jahre später stürmten die Istanbuler ins Endspiel des UEFA-Pokals – und gewannen es. Es ist der bis heute einzige internationale Triumph eines türkischen Klubs. Zum Team der türkischen Trainerlegende Fatih Terim und der türkischen Torjäger-Ikone Hakan Şükür gehörten auch die rumänischen Ausnahmekönner Gheorghe Popescu und Gheorghe Hagi sowie zwei Brasilianer: Seleção-Keeper Cláudio Taffarel und Carlos Alberto de Oliveira, genannt „Capone“. Bemerkenswert: Der in Mannheim geborene Mittelfeldspieler Ümit Davala, der vier Jahre später mit dem SV Werder Bremen Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger wurde, hatte sieben Jahre zuvor noch beim FC Türkspor in den Niederungen des Mannheimer Kreisfußballs gekickt. Im UEFA-Cup-Finale gegen den Arsenal FC am 17. Mai 2000 in Kopenhagen, das „Gala“ nach torlosen 120 Minuten 4:1 nach Elfmeterschießen gewann, traf er vom Punkt zum 3:1. Als „Champions-League-Absteiger“ hatte sich Galatasaray zuvor ungeschlagen gegen Bologna, Borussia Dortmund, RCD Mallorca und Leeds United durchgesetzt.
Hinten v.l.: Cláudio Taffarel, Capone, Gheorghe Popescu, Ümit Davala, Bülent Korkmaz, Hakan Şükür.
Vorne v.l.: Okan Buruk, Gheorghe Hagi, Suat Kaya, Arif Erdem, Ergün Penbe.


CA Peñarol | 1982

Das italienische Städtchen Pinerolo vor den Toren Turins ist Namensgeber von Peñarol, jenem Stadtviertel der uruguayischen Hauptstadt Montevideo, in dem der 1891 als Central Uruguay Railway Cricket Club (CURCC) gegründete CA Peñarol beheimatet ist. 1960 waren die „Aurinegros“ der erste Sieger der Copa Libertadores, die sie vier weitere Male gewannen – unter anderem 1982 nach einem 0:0 und 1:0 in der 90. Minute des Rückspiels gegen Cobreloa aus Santiago de Chile. Hier baut sich der uruguayische Rekordmeister am 12. Dezember 1982 vor dem Weltpokal-Spiel gegen Aston Villa in Tokio auf, das er unter der Leitung von Trainer Hugo Bagnulo durch Tore von Jair Gonçalves und Walkir Silva mit 2:0 für sich entscheiden wird. Es ist der bis heute letzte Triumph Peñarols in diesem Wettbewerb, der damals lediglich aus dem Vergleich Europa gegen Südamerika bestand. 1987 holten die Gelb-Schwarzen in einem äußerst dramatischen Finale (1:0 in der 120. Minute des Entscheidungsspiels gegen América Cali) ein letztes Mal die Copa Libertadores.
Hinten v.l.: Victor Diogo, Nelson Gutiérrez, Miguel Bossio, Walter Olivera, Juan Vicente Morales, Gustavo Fernández.
Vorne v.l.: Walkir Silva, Mario Saralegui, Fernando Morena, Jair Gonçalves, Venancio Ramos.


Ascoli Calcio 1898 | 1978

Sieht aus wie Juventus, ist aber Ascoli. In der Saison 1977/78 spielte der kleine Klub aus den Marken in der Serie B groß auf und sicherte sich durch einen 2:0-Erfolg am 23. April 1978 zu Hause gegen Bari zum zweiten Mal den Aufstieg in die Serie A. Für viele Ascoli-Fans gilt diese Truppe als die emblematischste der Klub-Historie, im Anschluss verbrachten die Schwarz-Weißen sieben Spielzeiten in Folge in der obersten Liga und belegten 1979/80 sogar Platz vier.
Hinten v.l.: Roberto Maroncini, Donato Anzivino, Giancarlo Pasinato, Francesco Scorsa, Giovanni Quadri, Claudio Ambu.
Vorne v.l.: Gianfranco Bellotto, Giovanni Roccotelli, Eugenio Perico, Gaetano Legnaro, Adelio Moro.


KSC Lokeren | 1981

Mit dem Wechsel der beiden in die Jahre gekommenen polnischen Internationalen Włodzimierz Lubański (1975) und Grzegorz Lato (1980), die entscheidenden Anteil am starken Abschneiden der Nationalmannschaft Polens bei den Weltmeisterschaften 1974 bis 1982 hatten, erlebte der Koninklijke Sporting Club Lokeren seine Blütezeit. Der 1923 gegründete Klub baute nach der Fusion der Vorgängervereine Racing und Standaard sein heimisches Daknamstadion zu einer Festung aus und stieg 1975 erstmals in die höchste belgische Spielklasse auf. Bei ihrem ersten Europapokal-Auftritt 1977 scheiterten die Flamen in der zweiten UEFA-Pokal-Runde am FC Barcelona. Nach dem 0:2 im Camp Nou hatte Lokeren das Gesamtergebnis vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Daknamstadion egalisiert, ehe Johan Cruijff den 2:1-Endstand markierte. 1978 kam der bullige dänische Stürmer Preben Elkjær Larsen nach Lokeren, zwei Jahre später spielte der Klub seine erfolgreichste Saison. 1980/81 wurde der KSC, für den nun auch der tschechoslowakische Europameister von 1976 Karol Dobiaš die Stiefel schnürte, belgischer Vizemeister und erreichte das Pokalfinale. Im UEFA-Pokal kam Lokeren über Dinamo Moskau, Dundee United und Real Sociedad dank der Tore des belgischen Internationalen René Verheyen bis ins Viertelfinale, wo es am späteren Finalisten AZ aus Alkmaar scheiterte. In Daknam, dem 1.000 Einwohner zählenden Stadtteil Lokerens, blieben „De tricolores“ unbesiegt. Nach mehreren Ab- und Wiederaufstiegen und immer wiederkehrenden Finanzproblemen musste der Verein, der 2012 und 2014 immerhin den belgischen Pokal gewann, 2020 Insolvenz anmelden und wurde abgewickelt.
Hinten v.l.: Maurits de Schrijver, Marc Verbruggen, Włodzimierz Lubański, Grzegorz Lato, Preben Elkjær Larsen.
Vorne v.l.: Arnór Guðjohnsen, Eddy Snelders, Raymond Mommens, Ronald Ingels, Ronald Somers, Bouke Hoogenboom.


Birmingham City FC | 1972

In Small Heath, jenem berüchtigten Stadtteil Birminghams, in dem einst die „Peaky Blinders“ ihr Unwesen trieben, wurde bereits 1875 die Small Heath Alliance gegründet. Nach mehreren Umbenennungen trägt der Klub seit 1943 seinen heutigen Namen: Birmingham City FC. Zu diesem Zeitpunkt hatten die „Blues“ bereits ein verlorenes FA-Cup-Finale (1:2 gegen den Lokalrivalen West Bromwich Albion im Jahr 1931) hinter sich, ein weiteres sollte 1956 folgen – und Fußball-Geschichte schreiben: Beim 1:3 gegen Manchester City brach sich Manchesters deutscher Keeper Bert Trautmann das Genick und spielte in Unkenntnis der Schwere seiner Verletzung durch. Der Trophäenschrank füllte sich über die vielen Jahre nur spärlich, immerhin gewann Birmingham City zwei Mal den Liga-Pokal (1962 gegen den anderen Lokalrivalen Aston Villa und 2011 gegen Arsenal). Anfang der 1970er Jahre stieß Trevor Francis zu den „Blues“ und wurde 1979 der erste Millionentransfer, als er für eine Million Pfund zu Nottingham Forest wechselte. In jüngerer Vergangenheit spülte Jude Bellingham das 25-fache dieser Summe in die Klubkasse, indem er im Sommer 2020 bei Borussia Dortmund unterschrieb. Bellingham spielte seit der U8 für Birmingham City und wurde im Alter von 16 Jahren und 38 Tagen jüngster Profi-Debütant in der Historie des Vereins. Sportliche Heimat Citys ist seit 1906 das St. Andrew’s Stadium in Small Heath, wenige Straßenblocks vom ersten Stadion in der Muntz Street entfernt. Das Mannschaftsfoto zeigt jenen Kader, der nach Platz zwei in der Second Division 1972/73 in der First Division antrat.
Hinten v.l.: Roger Hynd, Alan Whitehead, Tommy Carroll, Ray Martin, Paul Cooper, Mike Kelly, Stan Harland, Tony Want, Dave Robinson.
Mitte v.l.: George Smith, Alan Campbell, Garry Pendrey, Gordon Taylor, Bobby Hope, Malcolm Page.
Vorne v.l.: Stephen Phillips, Bob Hatton, Bob Latchford, Trevor Francis, Phil Summerill, Kenny Burns.


VTJ Dukla Praha | 1965

Die Russen [Moskau], Ukrainer [Kiew] und Bulgaren [Sofia] hatten ihre ZSKA, in der Tschechoslowakei hieß der Zentrale Sportklub der Armee „Dukla“ – benannt nach dem Duklapass, an dem 1944 im Slowakischen Nationalaufstand gegen die Deutsche Wehrmacht über 40.000 Soldaten ihr Leben ließen. So entstand neben kleineren Dukla-Klubs in Trenčín und Iglau auch in der Hauptstadt Prag 1948 zunächst der ATK, der später in ÚDA und schließlich 1956 in Dukla umbenannt wurde. Wie bei den Pendants aus der Sowjetunion sollte der im Stadtteil Dejvice (Dewitz) beheimatete Klub zur Basis der Nationalmannschaft aufgebaut werden, den bis dahin dominierenden Vereinen Sparta und Slavia lief der Armeesportklub ab den 50er Jahren den Rang ab. 1953 holten die Gelb-Roten (als ÚDA, „zentrales Armeehaus“) ihre erste Landesmeisterschaft, damals schon im Kader: Josef Masopust, der bis 1968 für Dukla auflief und 1962 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde. Neben Masopust, der die zwischenzeitliche 1:0-Führung erzielte, standen mit Ladislav Novák als Kapitän, Svatopluk Pluskal sowie Josef Jelínek insgesamt vier Dukla-Akteure im WM-Finale 1962 in Chile, das die ČSSR mit 1:3 gegen Brasilien verlor. 1986 widmete die britische Indie-Rockband „Half Man Half Biscuit“ dem Klub einen B-Seiten-Song mit dem Namen „All I Want For Christmas Is A Dukla Prague Away Kit“ und löste einen Hype auf die Trikots des elffachen tschechoslowakischen Meisters aus, der 1982 seinen letzten Titel gewann. So grell das Design der Spielkleidung war, so eigenwillig wirkte auch das 1960 aus dem Boden gestampfte Stadion Juliska im Norden der Stadt, das sich mit seiner großen Haupttribüne und ansonsten sehr kleinen Stehplatzrängen an einen Hang schmiegt und über eine der Fußball-Stimmung abträgliche Leichtathletikbahn verfügt. In den 60er Jahren wurden hier reihenweise europäische Top-Klubs niedergerungen. 1967 zog unter anderem Ajax Amsterdam mit dem jungen Johan Crujff im Viertelfinale des Cups der Landesmeister den Kürzeren (1:2), Dukla scheiterte in der Runde der letzten Vier am späteren Sieger Celtic FC (1:3, 0:0). Mit dem Niedergang des Kommunismus ging es auch mit Dukla bergab, die Klubgeschichte endet in einem heillosen Durcheinander. 1997 fusionierte Dukla Prag mit dem FC Příbram und existierte als Dukla Příbram in dem südwestlich von Prag gelegenen Städtchen weiter. Ein Jahr später gründete sich in Dewitz der FC Dukla als Jugendabteilung neu, entwickelte sich später zu einem Profi-Klub weiter und reklamiert die Geschichte Dukla Prags für sich. Offizieller Rechtsnachfolger ist jedoch der mittlerweile in 1.FK Příbram umbenannte Klub, der aktuell – wie auch das „neue Dukla Prag“ – in der zweiten tschechischen Liga spielt und dessen Titel ebenfalls in seiner Vereinshistorie führt.
Hinten v.l.: Ladislav Novák, Milan Dvořák, Svatopluk Pluskal, Jiří Čadek, Pavel Kouba.
Vorne v.l.: Miroslav Rödr, Josef Masopust, Jan Brumovský, Josef Vacenovský, Ján Geleta, Josef Jelínek.


AFC Ajax | 1970

Es ist die Vorhut eines der größten Teams aller Zeiten. Nach dem 7:1-Erfolg bei DOS Utrecht, das nach dieser Spielzeit mit Elinkwijk und Velox zum FC Utrecht fusionieren wird, steuert Ajax Amsterdam am 19. April 1970 auf die Meisterschaft in der Eredivisie zu, die sie im Vorjahr dem Erzrivalen Feyenoord überlassen musste, der dann auch noch prompt als erste niederländische Mannschaft überhaupt den Landesmeister-Wettbewerb gewann. Ajax verliert in dieser Saison nur ein Spiel (0:1 in Feyenoord) und wird seinerseits in der Folgesaison den Henkelpott holen (und die darauffolgenden beiden Spielzeiten auch). Der „Vater“ dieser Mannschaft, Trainer Rinus Michels, hat das Gerüst der Jahrhundertelf hier schon stehen, lediglich der junge Johan Neeskens und Arie Haan, der am letzten Spieltag dieser Saison sein Debüt gibt (und beim 1:1 in Den Haag trifft) fehlen noch. Beste Torschützen sind Johan Cruijff und Dick van Dijk mit jeweils 23 Treffern. Die Landesmeisterschaft und den niederländischen Pokal (2:0 gegen PSV, Tore: Cruijff und Piet Keizer) sichert sich Ajax wenige Wochen später, der Rest ist Geschichte.
Hinten v.l.: Wilhelmus Lourens Johannes [„Wim“] Suurbier, Rudolf Jozef [„Ruud“] Krol, Gerrit [„Gert“] Bals, Bernardus Adriaan [„Barry“] Hulshoff, Gerardus Dominicus Hyacinthus Maria [„Gerrie“] Mühren, Reinier Johannes Maria [„Nico“] Rijnders.
Vorne v.l.: Jesaia [„Sjaak“] Swart, Velibor Vasović, Hendrik Johannes [„Johan“] Cruijff, Dirk Wouter Johannes [„Dick“] van Dijk, Peter Johannes [„Piet“] Keizer.


Argentinien | 1986

Ein letztes Mal bei dieser WM 1986 wird Argentinien ganz in Blau auflaufen, anschließend wieder im gewohnten „Albiceleste“, also mit hellblauen und weißen Streifen. Das Trikot, das der Spieler hinten rechts trägt, wird knapp 36 Jahre später für 8,4 Millionen Euro im Londoner Auktionshaus Sotheby’s versteigert. Diego Maradona erzielt im zweiten Abschnitt gegen England zwei Tore, die Fußball-Geschichte schreiben. Ausgerechnet England, das Land, gegen das sich Argentinien vier Jahre zuvor noch im Krieg befunden hatte. In den folgenden zwei Partien zementiert Maradona endgültig seinen Status als weltbester Spieler jener Zeit, als er jeweils nach unwiderstehlichen Soli mit einem Doppelpack für das 2:0 gegen Belgien sorgt und im Endspiel gegen die Bundesrepublik Deutschland einen Traumpass zum entscheidenden 3:2 auf Jorge Luis Burruchaga spielt. Die anderen beiden Tore erzielen Jose Luis Brown und Jorge Valdano. Argentinien ist zum zweiten Mal nach 1978 Weltmeister. Und die „Hand Gottes“ für immer Legende.
Hinten v.l.: Sergio Batista, José Luis Cuciuffo, Julio Orlaticoechea, Nery Pumpido, José Luis Brown, Óscar Ruggeri, Diego Maradona.
Vorne v.l.: Jorge Burruchaga, Ricardo Giusti, Héctor Enrique, Jorge Valdano.


Real Sociedad de Fútbol | 1981

Auch bei der Real Sociedad de Fútbol aus San Sebastián galt viele Jahre die Regel, dass nur baskische Spieler für den Klub zum Einsatz kommen dürfen. 1989 wurde dieser Vorsatz mit der Verpflichtung der irischen Stürmers John Aldridge über Bord geworfen und nach und nach aufgeweicht – auch wenn immer noch der Großteil des Kaders aus Basken besteht. Anfang der 80er Jahre, als die eiserne Regel noch galt, erlebten die Blau-Weißen die erfolgreichste Periode ihrer Vereinsgeschichte und produzierten reihenweise Nationalspieler: Bei der WM 1982 in Spanien standen im 20-Mann-Kader der spanischen Nationalmannschaft sechs Spieler aus Donostia, so der baskische Name San Sebastiáns, darunter Kapitän und Keeper Luis Miguel Arconada. Nach der Vizemeisterschaft 1979/80 (nur eine Saisonniederlage und nur ein Punkt hinter Real Madrid) gewann „la Reala“ in der Saison 1980/81 sensationell ihre erste Meisterschaft und verteidigte in der Folgesaison ebenso überraschend mit zwei Zählern Vorsprung auf den FC Barcelona ihren Titel. Im unfassbar engen Stadion Atotxa waren die Blau-Weißen eine Macht und verloren von 1979 bis 1982 nur ein Heimspiel (von 51), im ersten Meisterjahr 1:2 gegen Sporting Gijón. Doch ausgerechnet in Gijón machten die Basken dann am letzten Spieltag ihren ersten Titel perfekt. In der 89. Minute traf Jesús María Zamora zum dramatischen Ausgleich, der Punktgleichheit mit Real Madrid sicherte. Im Torverhältnis waren die Hauptstädter zwar um sechs Treffer besser, doch zur Geltung kam das direkte Duell – und das hatte Real Sociedad bereits für sich entschieden (3:1, 0:1). Im Europapokal der Landesmeister flogen die Blau-Weißen im ersten Anlauf gleich gegen ZSKA Sofia (0:0, 0:1) raus, erreichten aber ein Jahr später das Halbfinale – wo sie denkbar knapp am späteren Sieger Hamburger SV scheiterten (1:1, 1:2). Das Mannschaftsfoto, auf dem der spätere Barça-Star José Mariá Bakero fehlt, zeigt eine Formation aus der Saison 1980/81, der Spieler vorne links ist nicht Bernd Schuster.
Hinten v.l.: Luis Miguel Arconada [Arkonada], ein Funktionär, Genaro Celayeta [Zelaieta], Ignacio [Inaxio] Kortabarria, Miguel Ángel „Periko“ Alonso, Alberto Górriz [Gorriz], Julio Olaizola.
Vorne v.l.: Santiago [Santi] Idígoras [Idigoras], José Diego Álvarez, Jesús María [Jesus Mari] Satrústegui [Satrustegi], Jesús María [Jesus Maria] Zamora, Roberto López [Lopez] Ufarte.
In eckigen Klammern die baskischen Schreibweisen.


Frankreich | 1998

Oft waren sie nah dran, 1958 scheiterten sie im Halbfinale an den Brasilianern, 1982 und 1986 jeweils ebenfalls in der Runde der letzten Vier an der BR Deutschland. 1998 im eigenen Land war es aber endlich so weit: Die Équipe Tricolore, 1984 mit ihrem Anführer Michel Platini immerhin Europameister, erreichte erstmals das Endspiel – und gewann es gegen Brasilien glatt mit 3:0. In den Folgejahren zählte Frankreich immer zum engeren Favoritenkreis, wurde 2000 Europameister, 2006 Vize-Weltmeister und 2018 zum zweiten Mal Weltmeister. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass Frankreich zwischen 1966 und 1978 und auch in den 1990er Jahren bis zur WM 1998 – für die es als Ausrichter automatisch qualifiziert war – bei keinem großen Turnier dabei war. Bemerkenswert: Im Halbfinale 1998 rettete ausgerechnet Abwehrspieler Lilian Thuram mit seinen beiden einzigen Länderspieltoren (in 142 Partien!) den Franzosen den Tag, als sie gegen Kroatien ein 0:1 in einen 2:1-Erfolg drehten. Im Endspiel köpfte sich Zinédine Zidane zur Unsterblichkeit, den dritten Treffer markierte Emmanuel Petit. Kapitän: Der 2018er Weltmeister-Trainer Didier Deschamps.
Hinten v.l.: Zinédine Zidane, Marcel Desailly, Frank Lebœuf, Lilian Thuram, Stéphane Guivarc’h, Emmanuel Petit.
Vorne v.l.: Christian Karembeu, Youri Djorkaeff, Didier Deschamps, Torwart Fabien Barthez, Bixente Lizarazu.


AC Hellas Verona | 1984

Die Spieler von Hellas Verona posieren im August 1984 für ein Impromptu-Mannschaftsfoto – und ahnen nicht, oder vielleicht doch, dass sie am Ende der Saison 1984/85 die erste und bislang einzige italienische Meisterschaft feiern werden. In einer Zeit, in der die Serie A mit Weltstars überschwemmt war und jeder Klub nur zwei Ausländer aufbieten durfte, galten die Blau-Gelben im Land des amtierenden Weltmeisters nicht unbedingt als Favorit. Doch angetrieben von den beiden Sommerneuzugängen – dem Dänen Preben Elkjær Larsen sowie dem Deutschen Hans-Peter Briegel – marschierte die Elf von Trainer Osvaldo Bagnoli vom ersten Spieltag an (3:1 gegen Diego Maradonas Napoli) vorneweg und sicherte sich den Titel eine Runde vor Schluss durch ein 1:1 bei Atalanta. Briegel brachte es auf neun, Elkjær Larsen auf acht Tore, bester Schütze Veronas war Giuseppe Galderisi mit elf Treffern. Seinen außergewöhnlichen Namen hat der 1903 von Schülern des Gymnasiums „Scipione Maffei“ als AC Hellas gegründete Verein dem Griechisch-Lehrer Decio Corubolo zu verdanken, der seinen Eleven diesen Namen vorschlug. Nach dem Gewinn des Scudetto 1985 gab es im 1963 eröffneten Stadion Marcantonio Bentegodi nicht mehr viel zu feiern. Drei Europapokal-Teilnahmen in den 1980er Jahren, das war’s. Seit 1990 ist Hellas sieben Mal ab-, allerdings auch jedesmal wieder aufgestiegen.
Hinten v.l.: Preben Elkjær Larsen, Domenico Volpati, Hans-Peter Briegel, Silvano Fontolan, Sergio Spuri, Claudio Garella.
Mitte v.l.: Francesco Residori, Luciano Marangon, Giuseppe Galderisi, Antonio di Gennaro.
Vorne v.l.: Franco Turchetta, Antonio Terracciano, Luciano Bruni, Fabio Marangon, Mauro Ferroni.


Dinamo Tbilisi | 1981

13. Mai 1981, gähnende Leere im Düsseldorfer Rheinstadion. So wenige Zuschauer wie nie zuvor und nie danach in einem Europapokal-Finale verloren sich an diesem Mittwochabend im weiten Rund. Denn in jenen Tagen wollte im Westen wahrlich niemand ein Ostblock-Duell zwischen den Pokalsiegern aus der DDR und der UdSSR sehen. Wären die Halbfinals anders ausgegangen, hätte die Paarung immerhin Benfica gegen Feyenoord lauten können. Die offiziellen Zuschauerzahlen variieren, die höchste Variante liegt bei 9.000, andere Quellen erwähnen lediglich 4.500. Eigentlich unverständlich, denn Dinamo Tiflis spielte Anfang der 1980er Jahre attraktiven „südeuropäischen“ Fußball und hatte Spieler in seinen Reihen, die zwar damals jenseits des Eisernen Vorhangs niemand kannte, die aber heute als internationale Top-Stars in einer der großen Ligen unter Vertrag stehen würden. Dazu gehörten zum Beispiel die WM-Teilnehmer 1982 Tengiz Sulakvelidze, Aleksandr Čivadze (beide Abwehr), Vitali Daraselia (Mittelfeld), der ein halbes Jahr später bei einem Autounfall tödlich verunglückte, oder Stürmer Ramaz Šengelia. Als begnadetster Fußballer galt der Mittelfeldstratege David Kipiani, der aufgrund eines Beinbruchs seine Karriere vor der WM beenden musste, aber an jenem 13. Mai 1981 in Düsseldorf drei Minuten vor Schluss mit einem feinen Außenristpässchen den 2:1-Siegtreffer Dinamos durch Daraselia einleitete – zur Verzweiflung von Jenas Trainer Hans Meyer. Als zweites sowjetisches Team nach den Ukrainern von Dynamo Kiew sechs Jahre zuvor hatten die Georgier aus Tiflis einen Europapokal in die UdSSR geholt.
Hinten v.l.: Aleksandr Čivadze, Otar Gabelia, Nodar Khizanišvili, Tengiz Sulakvelidze, David Kipiani.
Vorne v.l.: Georgi Tavadze, Vladimir Gutsaev, Ramaz Šengelia, Vitali Daraselia, Zaur Svanadze, Tamaz Kostava.


CA River Plate | 1942

„La Máquina“, die Maschine, so wurde der Club Atlético River Plate aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires in den 1940er Jahren genannt. In jener Zeit gewann das Team mit dem roten Querstreifen auf der Brust vier nationale Meisterschaften und zahlreiche andere Wettbewerbe, die heute nicht mehr so von Belang sind. Viele Spielernamen werden mit der „Máquina-Ära“ in Verbindung gebracht, doch fünf gelten als die prägendsten: Juan Carlos Muñoz, José Manuel Moreno, Adolfo Pedernera, Ángel Labruna und Félix Loustau. Gegen Ende dieser glorreichen Epoche stieß auch der große Alfredo Di Stéfano hinzu. River Plate verdankt seinen Namen dem Río de la Plata („Silberfluss“), jenem Fluss, der bei Buenos Aires mit den Ausmaßen einer großen Bucht in den Atlantik mündet. Der Klub wurde wie sein späterer Erzrivale Boca Juniors im von italienischen Einwanderern geprägten Stadtteil La Boca („Die Mündung“) gegründet, hat aber seine Wurzeln in den oberen Gesellschaftsschichten und erhielt daher auch den Beinamen „Los Millonarios“, die Millionäre, der heute noch Verwendung findet. Mit seinen unzähligen Meisterschaften und vier Siegen in der Copa Libertadores ist River einer der erfolgreichsten Vereine Südamerikas. Das Foto zeigt eine Formation aus dem Jahr 1942 – und auch wenn der Spieler hinten links nicht sehr durchtrainiert wirkt, so brachte es Verteidiger Norberto Yácono auf fast 400 Spiele für River und mehrere Einsätze in der argentinischen Nationalmannschaft.
Hinten v.l.: Norberto Yácono, José Ramos, Ricardo Vaghi, Bruno Rodolfi, Luis Antonio Ferreyra, Héctor Grisetti.
Vorne v.l.: Aristóbulo Deambrossi, José Manuel Moreno, Adolfo Pedernera, Ángel Labruna, Félix Loustau.


Derby County FC | 1972

Die unfassbare Geschichte von Derby County wird im Film „The Damned United“ (2009) brillant nacherzählt. Ein äußerst charismatischer Trainer (oder britisch: Manager), Brian Clough, übernimmt den Klub aus den East Midlands in der Zweitklassigkeit, führt ihn geradewegs in die First Division und 1972 auf Anhieb zur Meisterschaft. Reihenweise spielten die „Rams“ (Widder) in ihrem kuscheligen „Baseball Ground“ (was für ein untypischer Name für ein englisches Stadion) die großen Teams aus Leeds, Liverpool und London an die Wand und stürmten zu ihrem ersten Titelgewinn nach dem Triumph im FA-Cup-Finale 1946. Die Eckpfeiler dieses Teams waren die schottischen Nationalspieler Archie Gemmill, John O’Hare und John McGovern. Hinzu kamen die Waliser Terry Hennessey und Alan Durban sowie die beiden Engländer Kevin Hector und Paul Hinton, die zusammen für 27 der 69 Tore verantwortlich zeichneten. Neben der Meisterschaft gewannen die Rams auch den Texaco Cup, einen aus historischer Sicht unbedeutenden Wettbewerb, der aber während seiner Existenz von 1970-75 viele Zuschauer in die Stadien spülte. Teilnehmer waren britische und irische Klubs, die nicht im Europapokal an den Start gingen. Der Texaco Cup wird in „The Damned United“ nicht thematisiert, sehr wohl aber die enge Beziehung, die Clough mit seinem Assistenten Peter Taylor pflegte, und wie ihre Geschichte nach dem unfreiwilligen Abschied aus Derby 1973 weiterging. Im Europapokal der Landesmeister schafften es die „Rams“ bis ins Halbfinale, wo sie an Juventus Turin scheiterten (1:3, 0:0), 1975 wurden sie noch einmal überraschend Meister. Trainer war der Schotte Dave Mackay, den Clough als Spieler 1968 in den „Baseball Ground“ geholt hatte. In der Folge gab es in Derby keine Titel mehr zu bejubeln, für das Duo Clough/Taylor hingegen schon … allerdings 20 Kilometer östlich in Nottingham.
Hinten v.l.: Brian Clough (Manager), Terry Hennessey, Ron Webster, Colin Boulton, Colin Todd, John Robson, Peter Taylor (Assistant Manager), Jimmy Gordon (Trainer).
Vorne v.l.: John McGovern, Archie Gemmill, John O‘Hare, Roy McFarland, Kevin Hector, Alan Hinton, Alan Durban.

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